Freitag, 16. Februar 2018

Fahrt zu den Finsterzwergen: Auf Firuns Fährten

15. Firun, Rohalstag,
34 Hal,
Schwarzkuppenwald,
Finsterkamm

Wetterprobe (Das Handbuch für den Reisenden): 1w6 (4) (VER -3) = 1 (gleichbleibend zum Vortag)

Der nächste Tag brach noch einmal mit Milde an. Zwar schien der Schwarzkuppenwald noch wie versteinert in den letzten Nebeln der Morgendämmerung; doch von einem sanften Wind getragen rieselten schon kleine Schneeflocken zwischen den  Bäumen herab und wirbelten durch unser Lager. Weiße Asche stob von der Feuerstelle auf und entbößte eine restliche glimmende Glut. Isbert, der zur letzten Feuerwache eingeteilt worden war, hatte offenbar kurz vor Einbruch der Dämmerung noch einmal das Feuer geschürt. Das hatte uns, die wir nur in Schlafsäcken unter schrägen Winddächern gehüllt unter freiem Himmel lagen, vor dem nächtlichen Erfrieren bewahrt. 



Doch der unbeugsamen Winterskälte hatte sich nun ein zweiter, größerer Widersacher zugesellt. Unsere Mägen waren leer, alle Marschrationen aufgebraucht. Der Hunger mochte uns bald schneller in Borons Reich holen als diese knochenbeißende Nagrachskälte! Und doch ließ die Milde des Morgens hoffen. Wenn das Wild davon hinausgelockt wurde, mußte es sich auch irgendwo hier in der Nähe finden lassen. 
Ich rappelte mich auf und weckte die Anderen. "Los aufstehen! Macht euch bereit!" Als nach einer Weile einige begannen ihre Rucksäcke aufzuschnüren, hielt ich sie an. "Nein, wir marschieren heute nicht! Wir brauchen Nahrung, also werden wir hier ein größeres Lager aufschlagen und zur Jagd ausschwärmen!"
"Sollten wir nicht so rasch wie möglich zur alten Reichsstraße gelangen?", wandte Ruter ein. Es wunderte mich nicht, daß er nach den letzten Begebenheiten meine Entscheidungen anzuzweifeln begann. "Dort nämlich kämen wir rasch zu einem Weiler oder Wirtshaus und wir verlören  nicht einen ganzen Tag bis nach Nordhag!"
"Wer hat Euch, Feldwebel", sagte ich, "die Kunde gebracht, daß die Orken nach der Zerstörung von Reichsend auch nur einen Weiler oder ein bescheidenes Wirtshaus an der Straße  stehengelassen hätten? In Wahrheit blieb zwischen Reichsend und Nordhag kein Stein auf dem anderen innerhalb von zehn Meilen von der Straße und wir täten gut daran, nicht ausgehungert und geschwächt dorthin zu ziehen!" Ich sah die Waffenknechte nicken. 
Niemand sagte mehr etwas. 
Es war an der Zeit, diesen Trupp in Bewegung zu setzen. "Baut das Lager aus! Feldwebel Ruter, ihr beaufsichtigt Gerbrecht und Alderam bei den Arbeiten. Isbert, ihr kommt mit mir!" Der Waldhüter nahm wortlos seinen Bogen und seine Pfeile auf. Die Waffenknechte begannen Holz zu schlagen. 

Wir hatten uns ein paar hundert Schritt nördlich vom Lager entfernt. Dann überließ ich Isbert die Führung auf der Suche nach dem Wild. 

Isbert
Tierkunde-Probe: TaW 5, Wurf:  MU 15 (12)  MU 15 (9)  CH 8 (6)
Erfolreich!  
Qualitätsstufe 5

Isbert erspähte hinter dem Grat eines Hügels eine weite Senke im Wald. Er deutete mit einer Geste dorthin. Ich nickte ihm zu und wir schlichen vorsichtig nach vorn. 

Isbert
Fährtensuchen-Probe (+2): TaW 7, Wurf:  MU 15 (3)  IN 14 (20)  GE 13 (6)
Erfolreich!  
Qualitätsstufe 3
 
Und tatsächlich entdeckten wir nach kurzer Suche drei Rehe etwa zwanzig Schritt voraus! Es waren kurze Handzeichen, mit denen wir uns über die Aufteilung der Ziele verständigten. Isbert nahm ein besonders ausgewachsenes Reh rechts außen. Ich wählte das Reh in der Mitte. 

Isbert
Langbogenschuß (Fernkampf +2): FK 12 (14) 7 Treffer!

Wulfherr
Langbogenschuß (Fernkampf +2): FK 12 (14) 17 Verfehlt!

Der Pfeil Isberts zerteilte surrend die Luft und fällte das große Reh. Mein Pfeil verfehlte! Die zwei Rehe waren mit großen Sätzen auf und davon.  
Das erlegte Tier fanden wir bald. Es war ein ausgewachsener Rehbock! Der mochte uns zwei Tage durch diesen Winter bringen! 
Triumphierend trugen wir den Rehbock ins Lager. Dort hatten Ruter und die Waffenknechte aus behauenen Stämmen und zugespitzten Pflöcken ein vor Wind, Wetter und Raubtieren Schutz bietendes Quartier errichtet. Über der Feuerstelle war ein Gerüst gebaut, das es gestattete, Fleisch an einem Drehspieß zu braten. Unsere zeitige Rückkehr mit der fetten Beute entfesselte ausgelassenes Gejohl. An diesem Tag und in jener Nacht hatten wir nicht nur stärkende Nahrung, sondern auch neuen Mut gefasst.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Svellttal, Städte und Scharmützel: Zurück in Tiefhusen


15. Boronmond 1010 BF, 17 Hal
Tiefhusen,
Svelltland

Der würzige Geruch der Wildnis verweht im reudigen Gestank der Stadt. Hier, nur ein paar Meilen von den wilden Strömungen des Svellt und seiner Wälder entfernt, verwirbelt der unbändige Geist des Nordens in den Wirren von Gassen, Tempeln und Tavernen. Hier liegt der ganze Abfall des bürgerlichen Menschen, durch den sich unablässig die großen Wagenräder der Ochsenkarren graben und in denen die Kinder mit schmutzstarrenden Gesichtern spielen. In der Stadtluft vereinigen sich die Hoffnungen auf Freiheit mit den üblen Ausdünstungen der unterdrückten Niederen, mit den Klängen von Schmiedehämmern und Holzsägen. Hier jedoch, in Tiefhusen, liegt noch ein anderer Geruch in der feuchtkalten, nebelgetränkten Boronsluft. Er drängt unter den Rand meiner tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. Er ist beißend und erinnert an Leder. Es ist der Gestank nach Ork! 
Die Lage hatte sich verschärft seit ich vor einiger Zeit mit meinen Begleitern in den Rorwhed aufgebrochen war. An jeder Straßenecke glotzt und dirigiert der Schwarzpelz! Das würde mein Vorteil sein, wenn ich eine Weile unerkannt wieder in der Stadt untertauchen würde. Kein Andergaster, der es auf mich abgesehen hätte oder gar aus Hadorns Haufen stammte, würde in dieser orkischen Tributstadt noch einmal nach mir suchen. Und diese gebeutelten Städter hatten in dieser Zeit andere Sorgen, als die Augen nach Gesuchten aus benachbarten Königreichen aufzuhalten. 
Ich gehe gemächlich durch die Marktstraße gen Norden und lasse meinen Blick verstohlen über die Hauseingänge gleiten. Zwischen den Laternen und Talglichtern, die im wallenden Nebel nur trübe, gelbe Lichtflecken bilden, erkenne ich durchaus den ein oder anderen Aushänger wieder. Und dann sehe ich es: unter einem kunstvoll geschmiedeten Eisenrahmen hängt der schildförmige Aushänger jenes stattlichen Gasthauses, das ich aufzusuchen gedachte. Es zeigt ein Langschwert, das mit einem Dolch gekreuzt ist. Ich gönne mir ein breites Grinsen, gluckse in mich hinein und fasse den langen hohlen Wanderstab fester. Im Inneren des Stabes ist mein Bogen verborgen. Ich taste mit der freien Hand unter den Saum des Wintermantels und berühre den Stahl der aufgenähten Ringe meines Ringelpanzers. Wie die orkische Streitaxt, die meinen Gürtel beschwert, konnte ich auch dieses Meisterstück während meiner Flucht durch das obere Svellttal erbeuten. Die Zwölfgötter meinen es seit einigen Tagen gar nicht mehr so schlecht mit mir und ich will die Gelegenheit ergreifen, daraus wieder den alten Ruhm zu schlagen, den ich mir einst vor einigen Jahren als Bannerträger des Königs von Andergast angehäuft hatte. Denn ich würde von hier aus eines Tages mit einer starken Gefolgschaft in meine Heimat zurückkehren und ein gutes Stück Land in den Wäldern von Andrafall zu meinem neuen Sitz erklären. Doch zunächst werde ich genesen und in diesem Land der Schatzsucher und Freischärler einige Ränke schmieden. 

Ja, ihr ahnungslosen, geknechteten Nordländer. Grimhag von Garstenbüttel, der Geächtete, ist wieder unter euch!

Donnerstag, 2. November 2017

Fahrt zu den Finsterzwergen: Chimärenbrut und Rondras Wut

14. Firun, Rondratag,
34 Hal, 1027 BF,
Schwarzkuppenwald,
Alte Reichsstraße
Finsterkamm

*Anmerkungen zu regeltechnischen Abläufen s. u. Kommentare

Der dritte Tag des Marsches war am Praiostag, den die tapferen Leute hierzulande den Rondratag zu nennen pflegen. Das Wetter schien milder als am Vortag; Schneeflocken tanzten zwischen den Wipfeln der Bäume, nur gelegentlich zog eine steife Brise auf und mahnte mit schmerzenden Schnitten in unsere Gesichter vor einer Geringschätzung des Wintergrimmers. Noch immer fielen die Berghänge um die östlichen Ausläufer des Finsterkamms so steil abwärts, daß wir uns bei manchen Schritten mit den Schneeschuhen dann und wann seitlich in den Hang hineinstellen mußten. Der Schwarzkuppenwald indes war allumher noch dichter geworden. Hier rückten hohe Tannen mit kahlen Birken und krüppeligen Kiefern so nah zusammen, daß von der vor uns liegenden Landschaft kaum etwas zu sehen war. Daher hatte ich Rast befohlen, als die graumatte Scheibe des Praiosrunds noch nicht einmal ihren höchsten Stand erreicht haben mochte. Ich entsandte Isbert - der erfahrene Waldläufer sollte einen Aussichtspunkt finden und uns berichten, wieviele Meilen es bis zur alten Reichsstraße wären. Dieser Fahrweg von der ehemals nördlich gelegenen Feste Reichsend bis hinab nach Nordhag würde uns ein ungleich rascheres Vorwärtskommen nach dem südlichen Finsterkamm ermöglichen, nachdem wir in den letzten beiden entbehrlichen Marschtagen durch das Hochgebirge das von Orks zerstörte Reichsend umgangen hatten. Dort unten auf der Reichsstraße sollten wir jedoch auf Kampf eingestellt sein und das Tag und Nacht, denn die Orken kontrollierten die Straße seit dem Fall von Reichsend. Hier oben im Finsterkamm war es in den letzten beiden Tagen hingegen gespenstisch ruhig gewesen ... zu ruhig. 

*Begegnungsprobe W%100 (Wurf 66)=zutreffend.
** Tagesereignis 1 W%100 (Wurf 54)

Schweigend spähten wir zwischen die Bäume, auf Isberts Rückkehr wartend. Ich erheischte einen Seitenblick auf Feldwebel Ruther. Der Balihoer Elite-Kämpfer wirkte düster sinnierend und in gewissem Maße angespannt. Dies mochte nicht in der Erwartung eines bevorstehenden Überfalls begründet sein. Meine harsche Rüge vor der Errichtung des Lagers zur letzten Abenddämmerung hatte ihn gekränkt. Er war in ritterlichen Tugendhaftigkeiten und vor allen Dingen in der Kriegskunst meisterlich geschult - doch das Gelände der Wildnis taktisch klug zu beurteilen, gehörte offenbar nicht zu seinen Fertigkeiten. In seiner Stellung als mein Unteroffizier bei diesem waghalsigen Marsch zu den Finsterzwergen sollte Ruther lieber sehr bald mit den Wäldern des Gebirges vertraut werden. 
Es war noch nicht viel Zeit verstrichen, als nicht weit von uns Äste knackten. In einer einmütigen fließenden Bewegung zückten wir die Bögen und legten dazu einen Pfeil in die Sehne ein. In einem Anflug stiller Hoffnung dachte ich an Isbert, der schon früh von seinem Aussichtsposten wiedergekehrt sein mochte. Doch was aus dem Dickicht trat, ließ diese Hoffnung eisig fahren: ein Berglöwe, ein besonders ausgewachsenes Exemplar seiner Art mit grauem Fell und graubraunen Streifen. Es schlich in unsere Richtung, hielt inne, musterte uns und näherte sich weiter. Ich hob den Bogen und zog die Sehne bis zum Kinn. Holz und Leder knarzten. Ich hörte jemanden Luft scharf einatmen. 
"Haltet ein ..." flüsterte Ruther. 
Ich ließ den Bogen sich wieder entspannen und wartete darauf, daß sich etwas in der Umgebung tat. Was konnte Ruther gemeint haben? Dieser Berglöwe schien außergewöhnlich stark. Trotz des Winters hatte das Tier eine noch immer kräftige Statur und ein seltsam anmutiges Wesen. Die tief liegenden dunklen Augen versprühten einen geheimnisvollen Scharfsinn. 
Der Berglöwe näherte sich weiter. 
Ich zog den Bogen wieder aus, diesmal bis meine Zughand in die Nähe meines Ohres gelangt war. 
"Haltet ein!", zischte Ruther. "Es ist ein Tier der Göttin Rondra! Wenn ihr es tötet, wird sie unser zürnen und uns im Kampf nicht mehr beistehen!"
Niemand regte sich. Alle schienen in schußbereiter Haltung erstarrt.
"Bedenkt es ist Rondratag!" setzte Ruther energisch nach. 
Mein Arm schmerzte unter der rohen Kraft des Bogens. Ich war kurz davor, den Pfeil auf sein Ziel zu entlassen, als der Berglöwe die Richtung änderte. Er hielt nicht mehr auf uns zu, sondern schritt längs vor uns den Hang hinauf - ohne den Blick von uns zu wenden. Da ließ ich die Sehne abermals zum Bogen zurückkehren. 
Während uns der Berglöwe musterte, fuhr mir ein sonderbarer Schauer durch Mark und Gedärm. Dann verschwand es mit einem gewandten Satz wieder im Wald. Wir eilten zu der Stelle, an der das Tier verschwunden war. Doch noch nicht einmal Spuren im Schnee waren zu sehen!
Ratlos blickten wir einander an, als Isbert zurückkehrte, um Meldung zu machen. "Die Reichsstraße ist in Sicht. Sie ist nicht mehr als einen halben Tagesmarsch von uns entfernt." 
Ich nickte dem Waldläufer zu. Die Neuigkeit half, die Gedanken an den seltsamen Berglöwen wieder abzuschütteln - und dabei auch die Frage, wie Ruther von der Besonderheit dieses Tieres wissen konnte. 
Ich schlang den Bogen auf den Rücken und machte mit der Hand eine kreisende Geste. "Nehmt Formation ein! Bis zum Einbruch der Nacht werden wir die Ebenen erreichen!"

*** Tagesereignis 2 W%100 (Wurf 34)

Mit jedem Schritt schien der Grund unter unseren Schneeschuhen steiniger zu werden, darum entledigten wir uns ihrer an dieser Stelle des Weges. Schroffe Felsen ragten aus dünnen Eisdecken. Von scharfen Graten fielen die Hänge fast senkrecht hunderte Schritt in die Tiefe. Der Baumbewuchs war spärlicher und wir sahen in nicht weiter Ferne die Ebenen. Schemenhaft zeigte sich auch ein Stück der Reichsstraße - von zahlreichen Wagenrinnen zu einem breiten Feldweg geprägt. 
Der Schneefall war unterdessen vorüber. Stahlblau strahlte der Himmel über unseren Köpfen. Ein schmaler Stieg würde uns die letzten hunderte Schritt zwischen glatten Felswänden steil hinab zu den Ebenen führen. Ich wagte noch einmal einen Blick zurück zu den fernen, ehernen Gipfeln des Finsterkamms. An ihren schneebedeckten Zinnen brandeten dunkle Unwetterwolken und zerrissen sich an ihnen. Ich wollte meinen Blick wieder dem Stieg zuwenden, als er im letzten Moment an einer beunruhigenden Entdeckung haften blieb. Erst zwei, dann drei riesengroße Raubvögel waren plötzlich in die Höhe gestoßen und zogen lauernd ihre Kreise, die beständig auf uns zustrebten.  
Doch das waren keine Raubvögel! 
Ein ohrenbetäubendes Kreischen unterstrich die schlimmste Befürchtung.
"Harpyien!" rief Isbert. 
Eilig spannten wir die Bögen. Die Harpyien hatten uns entdeckt und sanken herab zu einem Flugangriff. Bereits jetzt waren sie in ihrer abstoßenden Gestalt zu erkennen, als Mischwesen zwischen halbnacktem Weib und dem Rumpf eines Raubvogels. Allein ihre scharfe Krallen rissen gefährliche Wunden; noch gefährlicher konnte ein Kampf mit ihnen werden, wenn sie ihr Angriffsopfer mit den Krallen packten und in die Lüfte rissen, um es entweder aus tödlicher Höhe fallen zu lassen oder es gar zu ihrem Horst zu entführen. Ich sandte innerlich ein Stoßgebet an Rondra, daß unsere ersten Pfeile ihr Ziel finden mögen. Es waren unterdessen vier der Chimären. Ich zog als erster den Bogen ganz aus und suchte die nächste Harpyie zum Ziel aus. Aber noch waren sie alle für einen günstigen Schuß noch etwas zu weit entfernt. "Wartet auf mein Zeichen!"  
Die vier Chimären setzten wieder zu ihrem entsetzlichen Kreischen an, als sie sich in ihrem Flugangriff gut fünfzig Schritt über unseren Köpfen befanden. "Pfeile los!" brüllte ich mit ganzer Kraft. 
Fünf Bogensehnen klopften, fünf Pfeile zerteilten mit einem Surren die winterliche Luft. Zwei Harpyien wurden von der Wucht sie durchbohrender Pfeile herumgerissen. Die dritte Chimäre änderte abrupt ihre Flugrichtung, als sie ein Pfeil an einem Flügel streifte. Die vierte Chimäre stieß ungebremst zu. 

**** Kampfprotokoll I

Gerbrecht, der Waffenknecht aus Darpatien, war ihr Ziel. Der Kämpfer hatte gerade noch seinen Bogen fallen lassen und seinen Streitkolben zücken können, als die Harpyie mit ihren Krallen seine Schultern packte. Lederrüstung und Winterkleidung verhinderten ein tieferes Eindringen der Klauen, während die Chimäre alle übernatürlichen Kräfte einsetzte, um Gerbrecht in die Lüfte zu reißen. Der Waffenknecht schien der Kraft der Kreatur unterlegen. Schon riss sie den Körper des Mannes etwa drei Schritt in die Luft. Zweifellos wollte die Harpyie ihr Opfer zu ihrem Horst entführen!
Ruther hatte die Lage schon einige Herzschläge lang überblickt und hielt seinen Bogen neu gespannt. Er zielte mit eisiger Ruhe und entließ dann den Pfeil. Die Chimäre kreischte niederhöllisch auf und ließ ihr Opfer fallen. Der Pfeil stak der Kreatur knapp unter einem der Flügel. Sie ließ sich auf den Boden sinken. Im Nu waren Ruther und Aldemar bei der Chimäre und hieben wild auf sie ein, jener mit dem Morgenstern, dieser mit der Streitaxt. 
Ich hielt meinen Langbogen im Anschlag und folgte der Bewegung zweier Harpyien, von denen eine diejenige war, die beim Flugangriff nur einen Streifschuß erlitten hatte und sich dementsprechend noch zielsicher bewegen konnte. Die andere war schwer verletzt; ein Pfeil hatte ihr den Rumpf durchbohrt. Sie holperte langsam und schien auf die Handlung ihrer Krallenschwester zu warten. 
Isbert hatte sich neben mich aufgestellt und ebenfalls den Bogen gespannt. Wir tauschten kurz Blicke und wußten beide, was zu tun war. Wir entsandten unsere Pfeile gleichzeitig in Richtung der Harpyie mit der besseren Verfassung. Mindestens ein Pfeil hatte sie erwischt, denn die Kreatur kreischte auf und hatte sich für den Rückzug entschieden. Unterdessen war auch der junge Aldemar mit seinem Langbogen heran und wollte mit grimmer Miene der zurückgebliebenen Chimäre den Gnadenschuß geben. 
"Spar die Pfeile auf!" mahnte ich. Obwohl es recht unwahrscheinlich war, daß der Pfeil auf diese Reichweite verloren ging, so bestand bei jedem Treffer die Gefahr, daß der Pfeilschaft brach. Weder konnte der nächste Pfeilmacher im nächsten Weiler zu erwarten sein, noch konnte derart großzügig mit der begrenzten Munition unserer wichtigsten Waffen umgegangen werden. 
"Wo ist die vierte Harpyie?" hörte ich Isbert fragen. Von der zweiten Chimäre, die beim Anflug frontal getroffen worden war, fehlte zunächst jegliche Spur.
"Seht dort hinten!" 
Wir schritten ein Stück des Weges den Berghang hinauf und fanden unter einer hohen Tanne einen elenden Haufen Vogelfedern und blutüberströmter nackter Haut.  Es war Gerbrecht, der mittlerweile vom Entführungsversuch der Harpyie erholt herangehumpelt war, und die tote Chimäre mit der Stiefelspitze roh umwälzte. Das gräßliche Gesicht der Vogelfrau war durch das zum stummen Aufschrei geöffnete Maul zusätzlich entstellt. In einer ihrer fleischigen Brüste stak ein abgebrochener Pfeilschaft. Gerbrecht spieh verächtlich aus. "Wenn das ein Vorgeschmack auf die Weiber diesseits des Finsterkamms sein soll, dann erinnert mich noch einmal in Nordhag daran, wenn ich vor dem Hurenhaus stehe!" 
Die Männer entspannten ihr Gemüt in höhnendem Gelächter. Meine Gedanken galten wiederum dem Nachteil, den wir durch diesen Kampf hinzunehmen hatten. Wir mußten vorzeitig unser Lager errichten und würden erst morgen in der zweiten Tageshälfte die Reichsstraße unter unseren Stiefelsohlen spüren. Auch ging unser Proviant in dieser Nacht endgültig zur Neige. Und von dem ungenießbaren Fleisch der Chimären würde keiner der Männer Rationen schlagen wollen. Ich ballte die Faust um das Mittelstück meines Langbogens und stieß Luft aus. Sofort formte sich daraus eine lange, kristallene Wolke. 
Der unbarmherzige Winterfrost hatte sich wieder zu uns gesellt. 

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Fahrt zu den Finsterzwergen: Reisetag 2

13. Firun, Marktag,
34 Hal, 1027 BF,
Schwarzkuppenwald,
Finsterkamm

*Anmerkungen zu regeltechnischen Abläufen s. u. Kommentare

Am zweiten Tag unseres Marsches wanderten wir von einem hohen Gebirgsgrat steil östlich hinab und tauchten ein in den Schwarzkuppenwald. Das eine Mal als ein düsteres Tannendickicht, das andere Mal als schütterer Mischwald mit altehrwürdigen Eichen und Rotbuchen, enthüllt dieser Wald in Nord und Ost des Finsterkamms eine ganz eigene, geheimnisvolle Welt von Schatten und Licht. Wie am Vortag befand sich die Luft im Würgegriff von Frost, glasklar erstarrt, tiefblau, silbern und weiß. Wir wanderten stumm einen schmalen Stieg zwischen auskragenden Felsen und vereinzelten Tannen hinab. Die dunklen Gedanken daran, dass vielleicht Nagrach seine Hände im erbarmungslosen Spiel des diesjährigen Winters habe, traute sich niemand auszusprechen. 


*Begegnungsprobe W%100 (55)=fehlgeschlagen.
** Tagesereignis W%100 (97)= 0 Charakter betroffen. 

Wir stiegen hinab und weiter hinab. Manchmal raschelte es und wir verharrten in Kampfbereitschaft, so gut es diesen steilen Stieg entlang möglich war. Oftmals war es der alte, frostgefrorene Schnee auf den Ästen der Bäume, der mit seinem Gewicht zu Boden fiel. Erleichtert, keinen auflauernden Orks begegnet zu sein, bewunderte ein jeder immer wieder wenigstens für diesen einen Moment, wie der Schnee in glitzernden Schleiern von den Bäumen trieb. So marschierten wir wortlos zur Ebene, wo irgendwo nach ein bis zwei Tagesmärschen die alte Reichsstraße von Reichsend nach Nordhag ein angenehmeres Fortkommen versprach. Irgendwo dort war vielleicht auch ein Weiler oder wenigstens ein Gehöft. Hart und wildniserprobt wie wir waren, konnten wir die Sehnsüchte nach einem warmen Herdfeuer doch nicht verdrängen, vor allen Dingen nicht in solch einer Frosthölle. Und jeder wußte von dem anderen, auch wenn keiner ein Wort sprach. 
Das mühsame Stapfen mit den Schneeschuhen hangabwärts erwies sich nach einigen Stunden des Marsches, nachdem die Praiosscheibe den Zenit unlängst überschritten hatte, als so beschwerlich, daß ich befahl, frühzeitig ein Lager aufzuschlagen. 

 ***Gruppenprobe Wildnisleben (Wulfherr&Ruther)=Wulfherr(erfolgreich mit QS: 6) / Ruther (fehlgeschlagen mit QS: -4)

Doch die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz geriet zu einer noch größeren Probe für den Trupp. Ich hatte mich mit Feldwebel Ruther beraten wollen, welche Gegend dieses bewaldeten Hanges wohl am günstigsten zur Errichtung eines Lagers zu bestimmen sei. Ich sandte Ruther vor, der aber zeigte nach einem kurzen Moment nur in Richtung eines lichten Teils des Waldhanges. Bestürzt über diesen Vorschlag, machte ich mich selbst auf, eine passende Stelle zu finden. Es mochte eine Stunde darauf gewesen sein, als ich die Männer zu einer von einer Gruppe von Fichten geschützten Ebene führte. Dort schlugen wir unser Lager auf. Anstatt zur Jagd zu gehen, teilten wir die noch verbliebenen Proviantpakete unter uns auf. Es entlud sich zwischen mir und Feldwebel Ruther eine hitzige Diskussion darüber, ob die Sichtung eines rechten Lagerplatzes im Hochgebirge entscheidend über den Ausgang eines strategisch wichtigen Feldzuges sei. Auf allen Seiten ernüchtert und ergrimmt schliefen wir am Feuer schließlich ein.

Samstag, 23. September 2017

Fahrt zu den Finsterzwergen: Reisetag 1

12. Firun, Erdstag,
34 Hal, 1027 BF,
Taunebelschlucht,
Finsterkamm

* Anmerkungen zu regeltechnischen Abläufen, s. Kommentare


Marsch durch die Taunebelschlucht 
Wir haben den Marsch begonnen und sind von der Schwarzkuppenwacht hinabgestiegen in die Taunebelschlucht. Bis zum Einbruch der Dämmerung sollten wir die Schlucht hinter uns gelassen haben und irgendwo in den niederen Anhöhen des östlichen Schwarzkuppenwaldes ein Lager errichtet haben. Bis dahin ist es noch ein ganzer Tagesmarsch durch Eis, Wald und Schnee. Der vor einigen Tagen gefallene Schnee hatte sich in den verborgenen Winkeln der Taunebelschlucht erhalten und glitzernde Eiskrusten auf seiner Oberfläche ausgebildet. Immer wieder rutschten wir mit unseren breiten Schneeschuhen darauf aus. Der Pfad durch die Schlucht war nicht breit genug, um zwei Männer nebeneinander marschieren zu lassen. Nicht einmal einem Pferd konnte man diesen Stieg zumuten. Also hatte ich eine Marschlinie befohlen, an deren Spitze Isbert, der Waldhüter, schritt. Ich folgte hinter ihm und dann kam Feldwebel Ruther, dem wiederum erst Alderam und dann Gerbrecht nachfolgten. Wir alle hatten Langbogen geschultert, die wir gegen einen lauernden Feind rasch schußbereit machen konnten. 

Begegnungsprobe W%=60% (2W10) fehlgeschlagen*

Unablässig blickten wir hinauf und über die Wipfel der Tannen hinweg zu den steilen Felsmassiven; doch außer Vorsprüngen und Schneewehen bot sich unseren wachsamen Blicken kein Bild der Gefahr. Wir verbrachten die Nacht unter einem Felsüberhang, den wir an den Flanken mit gefällten Tannen und aufgetürmten Wällen von Schnee zum sicheren Unterschlupf ausbauten. Ein prasselndes Lagerfeuer spendete uns ausreichend Wärme. Wir verzehrten die mitgeführte Tagesration Proviant. Vor der nächsten Dämmerung werden wir jagen müssen, um etwas vertilgen zu können zur nächsten Nacht. Schließlich legten wir uns in die frostige Umarmung des Finsterkamms.

Sonntag, 17. September 2017

Fahrt zu den Finsterzwergen: Der Aufbruch


12. Firun, Erdstag,
34 Hal, 1027 BF,
Edlengut Schwarzkuppen,
Finsterkamm

* Anmerkungen zu regeltechnischen Abläufen, s. Kommentare


Klirrender Frost hielt den Finsterkamm gefangen. Erbarmungslos versetzte er die Luft in glasklare Starre und drang in die Eingeweide der Berge, gar so, als sei er nicht Firuns Werk, sondern den tiefsten Eishöllen Nagrachs entstiegen. Weißglänzender Reif bedeckte Kleider, Rüstung und Bärte. Bauern und Knechte hatten ihre trüben Blicke gesenkt. Mägde und Greise zitterten. Ich sah die Mutlosigkeit hinter ihren frierenden Mienen. So viel Kraft ich auch in meine Rede zu legen versuchte, keine einzige Silbe schien die Hörigen Schwarzkuppens zu erreichen, die zu jener frühen Morgenstunde um die Firunskapelle herum versammelt waren. Meine Worte verloren sich in kristallenen Wölkchen, die der Frost aus meinem Atem formte. 
Das kleine Holzpodest ächzte, als ich mein Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte und mich zu erneuter Rede aufschwang. "Verzagt also nicht, tapfere Leute von Schwarzkuppen! Seid euch dessen bewußt, daß wir jüngst den Turm dort über euren Köpfen erneuert und eure stolzen Häuser erbaut habt, ebendort, wo die Adler kreisen, wo Rondras Donner und Firuns Atem walten! Wir sind das Bollwerk der Finsterwacht, Schild und Schwert des Wachtgrafen und des Herzogs, wider die Orken und  alles Gesindel aus den Abgründen dieser Berge! Sogar die Zwölfe blicken mit Ehrfurcht und Stolz auf euch herab!" 
Ich wandte mich an den Hofgeweihten Goswin. Dabei knarzte das Holz unter meinen Stiefeln wieder bedenklich als würde es sogleich zusammenbrechen und mich ganz unwürdig stürzen lassen.  "Vertraut auf Firun, dessen Beistand euch gewiß sein wird!"
Doch die Augen der Hörigen richteten sich nicht auf Goswin, der ganz zu meiner Linken stand. Sie alle warfen in diesem Moment jenen vier Kriegern rechts von mir einen vergrämten Blick zu. Es waren die vier besten Krieger unter dem Dutzend Waffenknechten, die das Edlengut Schwarzkuppen in diesen düsteren Tagen aufzubieten hatte. 
"Wer wird uns schützen, wenn  der Herr Ruther und seine Getreuen mit Euch gehen?" Eine ansonsten auch vorlaute Magd aus dem Gut hatte sich schließlich ereifert. Es folgte einen Raunen unter den Hörigen, das jedoch bald in den Fängen des Frostes versiegte. 
Feldwebel Ruther sah mit starrer Miene zu mir auf. Er befehligte die Waffenknechte der Schwarzkuppenwacht und war der weithin erfahrenste Kämpfer, geschliffen in der gerühmten Kriegerschule von Baliho. Das wußten auch die Hörigen von Schwarzkuppen, die sich unter dem Dasein des kühlen Feldwebels mit der brünierten Kettenhaube stets sicher gewähnt hatten. Außerdem waren da noch Gerbrecht und Alderam, zwei mit Bogen und Schwert trefflich geschulte Kämpfer und auch Isbert, ein Waldhüter und Späher, der einen Ork meilenweit witterte und seine Pfeile aus einem dicht verwucherten Versteck tödlich ins Ziel setzte. 
Da zeigte ich auf Ohtram, den Kastellan. "Ohtram von Ostmarken wird euch führen!" verkündete ich. "Er ist Feldwebel Ruther ebenbürtig und wird noch immer mehr als ein halbes Dutzend Männer befehligen ..."

* Überreden-Probe gelungen!

"...und außerdem wird der Wachtgraf von Löwenhaupt noch bis zum Anfang des neuen Mondes eine Verstärkung zu den Schwarzkuppen entsenden!" Ruther wandte den Kopf zu mir. Aus den Augenwinkeln erkannte ich Entsetzen, das sich auf den Gesichtszügen Othrams gebreitet hatte. 
Ich hatte gelogen. 
Die Hörigen atmeten erleichtert auf. 
Ich hob die Hand zu einem Gruß. "Mögen Euch Firun und alle Zwölfe weiter gewogen sein und Euch beschirmen!" Dann stieg ich vom Podest und strebte, die Menge der Hörigen querend, eilig den Pfad zum Turm hinauf. Ruther und die anderen Krieger beeilten sich, mir zu folgen. Ich spürte die Blicke der Hörigen in meinem Rücken. Es waren Zurückgelassene ... Ausgelieferte. 
Die Schatten, die sich über die Schwarzkuppen gelegt hatten, würden bis zu meiner Rückkehr nicht mehr verziehen. In diesem Moment fragte ich mich, ob ich das Gut und den trutzigen Turm jemals wiedersehen würde. 

Dienstag, 5. September 2017

Vorbereitungsphase: Fahrt zu den Finsterzwergen

Nach dem Prolog zur nächsten Queste der Schwarzkuppen Kampagne um den Wachtritter Wulfherr Finstertann ist diesmal an der Zeit gewesen, in einer recht zeitintensiven aber grundlegend notwendigen Vorbereitungsphase die Reise in den südlichen Finsterkamm rollenspieltechnisch und dramaturgisch zu entwerfen. Diese Entwurfsarbeit gehört zum Autonarrativen Rollenspiel wie das Plotten zum Romanschreiben - wobei natürlich genau das Letzte ebenso Bestandteil des Ersteren ist. 

Dabei muss ich mich ganz pragmatischen Fragen stellen und diese im Vorfeld lösen, bevor ich meinen Helden samt Geleit auf Reisen schicken kann, d. h. bevor es im nächsten Kapitel der Svelttaler Geschichten endlich weitergehen kann. Dazu gehört:  
Welche Ausrüstungsgegenstände müssen die Helden entsprechend ihres Vorhabens vor dem Antritt der Reise ergänzen oder auswechseln? 
Wieviele Waffenknechte ziehe ich von der Schwarzkuppenwacht ab und wieviele lasse ich dann zur Verteidigung zurück?  
Durch welche Landstriche will sich meine Protagonistengruppe bewegen und welche Wege benutzt sie dabei? (Beziehungsweise welche Wege des Finsterkamms lassen sich im tiefen Winter überhaupt noch benutzen?)
Welche Merkmale von Land und Leuten kann ich dabei wahrnehmen lassen oder in Interaktion mit den Reisenden bringen? 
Welche Begegnungen und Widrigkeiten machen meinen Helden möglicherweise permanent das Leben schwer? 

Ohne Landkarten, ohne Ausmessung der Entfernung und Berechnung der Reisefaktoren und schließlich ohne Aufstellung von Referenz- und Begegnungstabellen wäre die Geschichte von der Fahrt zu den Finsterzwergen (nur eine Übergangsqueste!) eben nur eine rein erzählerische. Was in vielen Reiseberichten, Kurzgeschichten oder Romanen dem Autor manchmal mehr, manchmal weniger schwer zu beschreiben fällt - nämlich der alltägliche Umgang mit Gefahren und Hindernissen - wird beim Autonarrativen Rollenspiel regelwerkorientiert ausgearbeitet. Eine Erzählgrundlage mit Raster und Struktur! Kaum wird sich dabei jemand der Pflicht einer halbwegs glaubhaften Erzählung abenteuerlichen Reisens entziehen können.

Während dieser detaillierten, mehrstündigen Vorbereitungen, während dieser Recherchen, Reiseskizzen und Mikromanagements, war ich in der Imagination bereits so tief in Aventurien eingetaucht wie nie zuvor!

Als Handreichungen und Hintergrundmaterial neben dem DSA5-Regelwerk dienten mir:

1. Regionalband  Schild des Reiches

2. Regionalband Reich des Roten Mondes



5. Internetseite Wiki Aventurica 

Reiseroutenplanung

Bereits die detaillierte Planung der Reiseroute zeigt, wie gefahrvoll und wie mühsam sich die Fahrt zu den Finsterzwergen zu gestalten hat. Über insgesamt fünf Etappen gilt es, mitten im Winter das unüberwindbare Finsterkammgebirge im Osten zu umwandern, um nach langem Weg durch die Grafschaft Heldentrutz schließlich bei Waldrast in der Mark Greifenfurt über den Schattenbachpass die Anhöhen der Berge zu erklimmen und in das östliche Grenzgebiet des Reiches der Finsterzwerge einzudringen. Von dort wird eine Begegnung mit selbigen Artgenossen in die geheime unterirdische Höhlenfestung des Bergkönigs Bonderick führen, was weniger "berechnet" denn " gerafft erzählend" geschehen kann. Zwischen dem Start und diesem Ziel liegen jedoch immerhin noch 214 Meilen des Weges durch Schnee, Wald, Weiler, Städte und Gebirge. Eine grobe Schätzung lässt mich hoffen, dass die Reisegruppe nach nicht mehr als 14 Reisetagen (14 Tagesberichte/Beiträge) ihr Ziel erreicht hat, Begegnungen und Kämpfe eingeschlossen. Trotz obligatorischer Winterschuhe wird sich die im Regelwerk angenommene strategische Bewegung von 30 Tagesmeilen am Finsterkamm während dieses Winters unter Einfluss schwankender Wetterlagen mit Schneefall und/oder Gewittern hauptsächlich nur geviertelt und teilweise sogar nur halbiert umsetzen lassen.

Ressourcenmanagement

Wegen der Gefahren und der winterlichen Bedingungen habe ich beschlossen, von der Besatzung der Schwarzkuppenwacht vier der dort stationierten zwölf Waffenknechte abzuziehen und mitzunehmen. Die Bewaffnung und Bekleidung sowie die Werte jedes Einzelnen muss ich an späterer Stelle ausarbeiten. Ich habe mich bei meinen bewaffneten Begleitern jedenfalls auf die Stufe Erfahren sowie auf eine schwere Bewaffnung mit Fernkampfmitteln festgelegt. 
Für den Wachtritter als Hauptfigur erforderten die Reisebedingungen gegenüber seinen Grundeinstellungen gewisse Ergänzungen und Modifikationen vorzunehmen. 
Für die strategische Bewegung im Winter waren Schneeschuhe unablässig! Die Angaben hierzu fand ich bequem im Regelwerk; zwei Stein Gewicht würde mir diese grundlegende Winterausrüstung zu meinen momentanen 28 Stein Traglast (bei maximalen 32 Stein Traglast) zusetzen. Allerdings scheint das Regelsystem von DSA5 die ebenso unbedingte Notwendigkeit eines Wintermantels nicht mehr zu kennen. Im Regelwerk findet sich zumindest keine Angabe. Zum Glück gibt es die saubere Ausrüstungsliste von Crystals DSA Foren, auf die ich in diesem Falle glücklicherweise zurückgreifen konnte. Die dort angegebenen 120 Unzen für einen Wintermantel konnte ich mit der bei Wiki Aventurica angegebenen Gewichtsformel 1/40 in 3 Stein Gewicht für das anzulegende Kleidungsstück umrechnen.

Da ich mit 5 Stein zusätzlichem Gewicht damit überbelastet war, entfernte ich zwei Tagesrationen Proviant (- 3 Stein) und hatte damit nur noch eine Ration übrig; nach einem Reisetag muss gejagt werden. Dafür konnte ich alle anderen wichtigen Ausrüstungsgegenstände und Waffen meines Helden behalten und verfüge durch den Wintermantel sogar noch um einen zusätzlichen Rüstungspunkt.

Referenzen und Begegnungen erstellen

Allein diesen Punkt ausführlich zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wie für das Autonarrative Rollenspiel üblich und in den letzten Abenteuern auch verdeckt so praktiziert, stellte ich einige Zufallstabellen mit Hilfe der genialen Spielhilfe Handbuch für den Reisenden aus der Box Kreaturen des Schwarzen Auges zusammen. Daraus entnahm ich eine der sehr umfassenden Zufallstabellen für Wälder des Mittelreiches und modifizierte diese leicht für die landschaftlichen Hintergründe des östlichen Finsterkamms. So entstand eine der vielen Tabellen, die an jedem Reisetag genutzt werden, um eine spannende Situation daraus ermitteln zu lassen und anschließend in die Erzählung einzubauen:

Landschaften und Begegnungen:
Taunebelschlucht an der Schwarzkuppenwacht 
im Winter

1W6 - 4 Begegnungen am Tag (- Augenzahl = 0) 

1W% = 1W100 (=2W6 - 2)       Begegnung

01-11                                                   Jäger (1W6) 
                                                            freundlich gesonnen

12 - 18                                                Fallensteller

18 - 24                                               Orks (Gharrachai) 
                                                            Anzahl: 3W6

25 - 30                                               Goblins 
                                                            Anzahl: 2W6+1 

30 - 45                                               Harpyien
                                                            Anzahl: 1W6-2 
                                                            Gesinnung nach Bestiarium

46 - 52                                                Wölfe 
                                                             Anzahl: 1W6+3 

53 - 64                                                Berglöwen
                                                             Anzahl: 1W6

65 - 74                                                Braunbär 

75 - 82                                                Wildschweine
                                                             Anzahl: 1W6+2 

83 - 92                                                Räuber (Raubritter) 
                                                             Anzahl: 1W6+1

93 - 98                                                Tatzelwurm 

99 - 00                                                Höhlendrache


Ich kann es kaum erwarten, zu Feder&Würfel zu greifen!                      
                                                                                   
                                                              
                                                      








Donnerstag, 31. August 2017

Fahrt zu den Finsterzwergen: Prolog


11. Firun, Windstag, 
34 Hal,
Schwarzkuppenwacht,
Finsterkamm

Entgegen meiner Gewohnheiten saß ich an diesem Windstag nicht im Weißen Lindwurm. Ich hatte das kleine Kastenfenster des Turmes geöffnet und ließ die eiskalte Luft des Firunmondes in meine Kammer strömen. Die zwei kleinen Kerzenflammen zuckten kaum merklich. Es war eine stille und sternklare Nacht. Ich brütete über einem Becher dampfenden Kräutertees. Ich versuchte Pläne zu fassen und  verwarf sie wieder, richtete meine Gedanken auf ein Ziel und musste von Neuem beginnen, sie zu ordnen. Ich bemerkte erst jetzt, dass ich eine Hand krampfhaft zu einer Faust geballt hatte. 
Bevor ich zu einem befreienden Schlag auf die Tischplatte ausholen konnte, ließ mich ein Klopfen an der Tür innehalten. 
"Tritt ein!" hieß ich meinen Kastellan.
Umso erstaunter war ich, als ich an seiner Stelle meinen Hofgeweihten Goswin sah. "Was macht Ihr denn zu dieser Stunde hier?" Meine Frage muss sich wie eine Warnung angehört haben, denn Goswin zögerte.
"Nehmt Platz", sagte ich mit einer einladenden Geste.
Noch immer vorsichtig, wie es seinem Wesen entsprach, näherte sich Goswin dem Tisch und setzte sich langsam auf einen der Scherenstühle. Mit einem mißmutigen Blick zum geöffneten Fenster zog der Firungeweihte seinen fellverbrämten Wintermantel enger um die Schultern. 
"Sagt schon", kam es ungeduldig über meine Lippen. 
Goswin räusperte sich. "Nun ja, mein Herr. Die Jäger und Knechte waren sich uneins darüber, warum Ihr an diesem ersten Windstag seit Eurer Rückkehr aus Hiltorp nicht im Weißen Lindwurm erschienen seid, wie sonst auch. Die Leute im Gut haben Euch recht lange schon nicht mehr zu Gesicht bekommen. Einige munkeln von Krankheit, andere ... von Verrat wegen der Zwerge ..."
Mit einem Kichern schüttelte ich den Kopf. "Die Männer sind besorgt, das nicht ohne Grund."
Goswin machte eine fragende Miene. 
"Die Finsterzwerge", sagte ich leise wie zu mir selbst. "Ich werde diesen Fluch nicht los."
"Was meint Ihr, Herr?", fragte Goswin, dessen Gesichtszüge nun deutlich von Verwirrung gezeichnet waren. 
Ich war bemüht, mir meine Unruhe nicht anmerken zu lassen. "König Bonderick", antwortete ich leise. "Er hat etwas für mich getan und nun stehe ich in der Pflicht, das Gleiche zu tun."
"Dann ist es also wahr? Es besteht immernoch ein Pakt zwischen Euch und dem König der Finsterzwerge?" 
Ich richtete mich von meinem Stuhl auf, stützte mich vornüber auf den Tisch und sah dem Firungeweihten in die Augen. "Es besteht noch immer ein Pakt, ja. Und nun bin ich bereit, ihn durch die Einlösung meines Teils zu beenden. Wir verdanken Bondericks Kriegern, dass dieser Turm noch auf den Dreizacken steht und nicht in die Hände der Orks gefallen ist."
Goswin senkte den Blick. "Ich weiß, Herr. Der Wachtgraf hat das Eingreifen der Finsterzwerge gebilligt, als Sharthaks Orkstreitmacht durch die Taunebelschlucht gegen die Schwarzkuppenwacht vorrückte, doch nur, weil er sie für die freundlicheren Finsterkamm-Zwerge hielt. Auch wusste der Wachtgraf nichts von Eurer Abmachung mit König Bonderick ..."
"Er wird es auch nicht erfahren!" zischte ich. "Bevor die Finsterzwerge damit beginnen können, ihren Einfluss womöglich auch noch auf die Finsterwacht auszudehnen, habe ich den Pakt mit König Bonderick zu einem Ende gebracht. Und genau dafür ist es nun an der Zeit."
"Aber was ist mit der Schwarzkuppenwacht? Wie wollt ihr das Vertrauen der Leute während Eurer Abwesenheit wiedergewinnen?"
"Ich werde meinen Kastellan veranlassen, während meiner Reise in den Süden des Finsterkamms mehr zu tun als das Dutzend Waffenknechte dort draußen anzuführen." Ich richtete mich auf und warf einen Blick aus dem Fenster. Unten auf dem Gut waren die letzten Fackeln gelöscht. Nur vom Weißen Lindwurm ging ein matter Lichtschein aus. Die großen Felsmassive und Bergspitzen des Finsterkamms erschienen nur noch als ein großer dunkler Schatten, der scheinbar bis in den Nachthimmel reichte. "Ich weiß nicht, wie lange meine Fahrt zu den Finsterzwergen dauern wird, Goswin. Ich weiß nur, dass ich König Bonderick einen großen Gefallen schuldig bin."

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